FAMILY AFFAIRS

FAMILY AFFAIRS

06/12 – 14/01/2020


Patchwork, Parasiten, Patriarchen und ein Hund
Familiy Affairs oder der Familienfilm lebt


Unter diesem Motto bietet das Filmpodium Biel in den kürzesten, kalten und dunkelsten Tagen eine bunte Mischung an Filmen, wo viel gelacht, nachgedacht, mitgefiebert und in die Tiefen der kräftigen Bilder und bewegenden Familien-Geschichten eingetaucht werden kann.


Niemand entkommt seiner Familie. Diese Wahrheit scheinen derzeit nicht wenige Filmschaffende zu beherzigen. Denn in den letzten beiden Jahren haben auffällig viele Filme, die sich um die «Keimzelle der Gesellschaft» drehen, das Licht der Kinoleinwand erblickt. Es ist vielleicht kein Zufall, dass 2018 und 2019 am Filmfestival von Cannes, dessen Wettbewerb immer auch ein Stück weit ein Gradmesser gesellschaftlicher Befindlichkeiten ist, Filme mit mehr oder weniger klassischen Familienkonstellationen die Palme d’Or holten. War es 2019 mit PARASITE des Südkoreaners Bong Joon-ho ein ätzend satirischer Genremix über den Zusammenprall zweier traditioneller Familien aus unterschiedlichen sozialen Klassen, so hatte sich 2018 der Japaner Hirokazu Kore-eda mit SHOPLIFTERS eine Familie sympathischer Kleinkrimineller ganz nach eigenem Gusto aus Figuren unterschiedlicher Generationen zusammengebaut, die nicht miteinander verwandt waren – eine Patchworkfamilie im Quadrat sozusagen.


Eltern trennen sich. Aus einer vermeintlichen Einheit entstehen zwei Welten. Wie gehen Kinder damit um? Aufrichtig und mit beeindruckender Klarheit schildern die Kinder im Film WHERE WE BELONG ihre Gedanken, analysieren nicht nur ihre eigenen Gefühle, sondern auch die ihrer Eltern.
Es sei das Ziel von 68ern und Feministinnen gewesen, die Familie zu zerstören, lautet seit Jahren ein beliebter Vorwurf konservativer Kreise. Und wenn man sich die heutigen Scheidungsraten ansehe, seien sie mit diesem Projekt ziemlich erfolgreich gewesen. Wie deren Welt aussah, als noch alles seine Ordnung in deren Sinne hatte, davon zeugen in unserer Filmreihe etwa die Erzählungen der Grossmutter im Dokumentarfilm MADAME des Genfers Stéphane Riethauser oder die Lebenswege zweier Schwestern im Brasilien der 1950er-Jahre in THE INVISIBLE LIFE OF EURÍDICE GUSMÃO von Karim Aïnouz.

 

Und bei einem Cüpli an Silvesterabend kann man feststellen, dass heutige Patriarchen möglicherweise auf den Hund gekommen sind, davon zeugt die umwerfende französische Tragikomödie MON CHIEN STUPIDE, in der sich ein grantiger Patriarch seiner Familie entledigt – zugunsten eines hässlichen Hundes.


Auch die Kinder werden aufs Jahresende, am 26. Dezember mit dem traditionellen Weihnachtsfilm DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL von Vaclav Vorlicek und am

2. Januar mit dem schönen Film AÏLO: UNE ODYSSÉE EN LAPONIE belohnt.


Das neue Jahr startet im Filmpodium dann gleich mit einer VORPREMIER. Am 3. Januar bietet das Filmpodium die einmalige Möglichkeit in den Tiefen der eindringlichen Bildern des wunderbaren Märchens A TALE OF THREE SISTERS (KIZ KARDEŞLER) von Emin Alper zu einzutauchen.